Warum die Wahl des Lagerspiels über Lebensdauer und Laufruhe entscheidet

13.01.2026

Das Lagerspiel gehört zu den wichtigsten, aber gleichzeitig am häufigsten missverstandenen Parametern in der Wälzlagertechnik. Ob Rillenkugellager, Zylinderrollenlager oder Spindellager: Das radiale oder axiale Spiel beeinflusst direkt, wie ein Lager läuft, wie es sich erwärmt und wie lange es hält. Die richtige Auswahl entscheidet damit über Zuverlässigkeit, Präzision und die Performance der gesamten Maschinenbaugruppe.

Was bedeutet Lagerspiel überhaupt?
Das Lagerspiel beschreibt den inneren Bewegungsraum zwischen den Wälzkörpern und den Laufbahnen. Es existiert in zwei Formen:

  • Radiales Lagerspiel
  • Axiales Lagerspiel

Je nach Bauform wird ein Lager mit standardisiertem Spiel (z. B. CN) oder erweitertem Spiel (z. B. C3) geliefert. Bereits Abweichungen im Mikrometerbereich verändern das Betriebsverhalten deutlich.

C3 ist kein „besseres“ Spiel – sondern ein anderes
In der Praxis hält sich hartnäckig die Annahme, dass ein C3-Lager grundsätzlich hochwertiger sei oder höhere Tragzahlen ermögliche. Diese Interpretation ist falsch. C3 ist keine Qualitätsstufe und verbessert das Lager nicht per se.
C3 bedeutet ausschliesslich, dass das Lager ein grösseres internes, radiales Spiel besitzt als ein Lager mit Standardspiel (CN).

Dieses vergrösserte Spiel ist ein reiner Kompensationsfaktor und wird benötigt, wenn im späteren Betrieb:

  • hohe Temperaturen auftreten
  • hohe Drehzahlen gefahren werden
  • enge Passungen die Ringe verengen
  • thermische Ausdehnung berücksichtigt werden muss

In diesen Fällen würde ein Lager mit Standardspiel (CN) im Betrieb zu eng laufen, wodurch das Betriebsspiel Richtung Null wandert. C3 stellt sicher, dass trotz Erwärmung und Presspassungen ein stabiles Betriebsspiel erhalten bleibt.
Wird C3 jedoch ohne technische Notwendigkeit ausgewählt, entsteht ein gegenteiliger Effekt:
Zu viel internes Spiel führt zu höherem Geräuschniveau, unruhigem Lauf, erhöhter Vibration und im weiteren Verlauf zu beschleunigtem Verschleiss.
Die optimale Wahl besteht daher nicht darin, „mehr“ Spiel zu wählen, sondern genau das richtige – abgestimmt auf Temperatur, Passung und Betriebsbedingungen der Anwendung.

Zu wenig Spiel schadet ebenso
Ein zu enges Lagerspiel kann genauso problematisch sein. Wenn durch Erwärmung oder Presspassungen das Spiel gegen Null geht, entstehen:

  • Verspannungen
  • höherer Reibmoment
  • erhöhte Temperatur
  • frühzeitiger Verschleiss

Das Optimum ist deshalb kein möglichst kleines oder möglichst grosses Spiel, sondern das richtige Spiel für die tatsächlichen Betriebsbedingungen.

Warum Lagerspiel ein Systemparameter ist
Die Wahl des Spiels darf nie isoliert erfolgen. Entscheidend ist das gesamte System aus:

  • Lagerbauform
  • Passungen (Welle/Gehäuse)
  • Temperaturverteilung
  • Drehzahl, Last und Taktung
  • Schmierung
  • Einbauumgebung
  • Materialien und Ausdehnung

Bei SKA werden diese Faktoren systematisch gemeinsam betrachtet. Das Ziel ist ein Lagerspiel, das im Betrieb in den vorgesehenen Bereich kommt – nicht im Katalogzustand.

SKA-Praxis: Berechnung + Erfahrung
Die Auswahl des passenden Lagerspiels beruht bei SKA® auf einer Kombination aus Berechnung, Messdaten und langjähriger Anwendungserfahrung. Viele Anwendungen lassen sich nicht allein über Tabellenwerte abbilden. Temperaturverteilungen, Gehäusegeometrien, Passungen, Schmierstoffe und Lastwechsel variieren von Kunde zu Kunde und Anwendung zu Anwendung. Durch die systematische Analyse realer Einsatzbedingungen entsteht ein Gesamtbild, das die reine Theorie sinnvoll ergänzt.

Typische Vorgehensweise:

  • Anwendung analysieren
  • Last- und Temperaturprofil ermitteln
  • Passungseinfluss berechnen
  • Lagerspiel optimal auswählen
  • Schmierung und Vorspannung abstimmen

Das Ergebnis ist ein Lagerspiel, das nicht nur rechnerisch passt, sondern unter realen Betriebsbedingungen stabil bleibt. Durch die Berücksichtigung von Temperaturgradienten, Einbaupassungen und dynamischen Lasten wird ein Betriebsspiel erreicht, das weder zu Verspannungen noch zu unnötigen Vibrationen führt. So entsteht eine robuste, prozesssichere Lösung, die die Lebensdauer des Lagers und die Performance der Maschine zuverlässig unterstützt.

Fazit
Die Wahl des Lagerspiels ist einer der entscheidenden Faktoren für Lebensdauer, Laufruhe und Betriebssicherheit.
Ein korrekt ausgewähltes Spiel reduziert Temperatur, minimiert Reibung und verhindert Schäden wie Brinelling, Schiefstellung oder Verschleiss.
Mit SKA profitieren Anwender von technischer Beratung, Erfahrung und klaren Empfehlungen.

→ Mehr erfahren unter www.ska.swiss und www.ska.swiss/produkte/produktdetails/lagerluft